Gerade sitze ich in einem Internetcafe in Puebla, einer Stadt suedoestlich von Mexiko Stadt. Aber zuerst muss ich noch von den letzten zwei Wochen in Guadalajara erzaehlen. Eine Compañera der Uni lud mich auf die Hochzeit einer Freundin ein, deren Eltern zu den reichsten der Stadt gehoeren. Dementsprechend war auch die Feier; als wir mit dem Auto das Gelaende befuhren, wurden wir von 5 bewaffneten Securities angehalten und mussten die Eintrittskarten zeigen. Anschliessend ging es einen etwa 500m langen Weg entlang, an dem alle hundert Meter ein Security mit Maschinengewehr stand. Schliesslich wurden wir angehalten und aus dem Auto gebeten, sodass ein Chauffeur das Auto parken konnte. Die praechtig geschmueckte Festhalle wurde auf einer mit Teppich ausgelegten Bruecke erreicht, und man wurde persoenlich zu seinem Tisch begleitet, wo die Vorspeise schon bereit stand. Insgesamt gab es 6 Gaenge, von Meeresfruechten, ueber Rinderfilet, Ente, Gans bis hin zu frischen Fruechten. Nebenbei wurden einem die Glaeser staendig mit Wein, Tequila, Rum oder Whiskey aufgefuellt, sodass schon um 21Uhr die meisten der 1000 Gaeste merklich beschwipst war. Anschliessend wurde bis ins Morgengrauen getanzt, vom 15-jaehrigen bis hin zu aeltesten Generation.
Die letzten Tage kam ich kaum zum Schlafen, da jeden Abend mit anderen Freunden Abschied gefeiert wurde. Es war teilweise echt traurig und traenenreich, da ich hier richtig gute Freunde gefunden habe!
Die letzte Nacht kam ich sogar ueberhaupt nicht zum Schlafen und frueh morgens zum Sonnenaufgang zog ich mit einer meiner Mitbewohnerinnen los zur Autobahn, um nach Mexiko Stadt zu trampen. Wir hatten auch recht schnell Erfolg und wurden von einem Gewuerztransporter die gesamten 7 Stunden Fahrt mitgenommen.
Die Stadt ist mit ihren 20 Millionen Einwohner unvorstellbar gross und hat viele Facetten. Das Zentrum ist sehr schoen und komplett videoueberwacht, wogegen viele Menschen der Randgebiete in extremer Armut leben.
Genau an dem Tag an dem wir ankamen begann die 6-jaehrige Regierungszeit des neuen Praesidenten Peña, der die Wahlen unter sehr, sehr zweifelhaften Umstaenden gewonnen hat und auch ueber die Haelfte der Mexikaner gegen ihn sind! Drum konnten wir erst am naechsten Tag ins Zentrum, da es zum Zeitpunkt unserer Ankunft krasse Kravalle der Demonstranten gab. Am naechsten Tag lasen wir in der Zeitung, dass es ca 100 Verletzte gab und sogar einen Toten, der einer Granate der Polizei zum Opfer gefallen ist.
Gestern morgen fuhren wir mit dem Bus weiter hier her nach Puebla, einer kleinen Stadt, die fuer ihr indigenes Kunsthandwerk und die Pyramide mit der groessten Grundflaeche der Welt bekannt ist. Leider ist diese inzwischen komplett mit Vegetation bewachsen, sodass sie eigentlich eher wie ein kleiner Berg aussieht. Aber zumindest konnte man die Tunnels im Inneren betreten.
Die heutige Nacht werden wir im Bus verbringen, der uns weiter in den Suedosten Mexikos nach Oaxaca bringt.
Wenn ich das naechste Mal bei einem Internetcafe vorbeikomme werde ich Bilder hochladen!
Montag, 3. Dezember 2012
Dienstag, 20. November 2012
Old Shatterhand und Urlaub an Traumstraenden
Inzwischen sind schon wieder ein paar Wochen ins Land gezogen und meine Zeit hier in Guadalajara neigt sich dem Ende zu. Auch wenn die letzte Zeit wieder sehr erlebnisreich war, kann ich von den letzten 2 Wochen leider keine Bilder hochladen. Vor zwei Wochen wurde mir auf einer Party bei uns mein Laptop geklaut und gestern habe ich meine Kamera am Strand verloren. Drum werde ich versuchen moeglichst bildhaft zu schreiben.
Carlos, ein nicht mehr arbeitender Arzt, kommt einmal die Woche in das Sozialprojekt in dem ich arbeite, um die Menschen dort kostenlos zu behandeln. Da ich mich super mit ihm verstehe, lud er mich eines Samstags dazu ein mit ihm in die Berge zu fahren, wo er ein Grundstueck zum jagen hat. Dieses Grundstueck befand sich auf dem Gipfel eines Berges, ca eine Stunde von der naechsten befahrbaren Strasse entfernt. Um dort hinzugelangen mussten wir sogar teilweise die am Jeep befestigte Seilwinde benutzen um extreme Steigungen ueberwinden zu koennen.
Auf dem Weg nach oben kamen wir an der Ranch eines guten Freundes Carlos' vorbei, wo wir zum Essen eingeladen wurden: Bohnenmus, grobe Fleischbrocken und dazu Tortillas. Gegessen wurde typischerweise mit der Hand.
Anschliessend wurde ich gefragt, ob ich nicht eine Runde auf dem schon gesattelten Maulesel reiten will um die Ranch kennenzulernen. Natuerlich stimmte ich zu, wobei ich eigentlich davon ausging, dass mich jemand einweisst und mit mir mitkommt. Aber alle blieben schwatzend am Tisch hocken und gingen wohl davon aus, dass es selbstverstaendlich sei, reiten zu koennen. Drum wollte ich mich nicht als Weisshaut-Taugenichts darstellen und bestieg einfach das Tier. Ich war mega ueberrascht, wie gut der Maulesel gehorchte und fand schnell gefallen daran durch die Rinderherden und Maisfelder zu gallopieren mit atemberaubender Aussicht ueber Steppen- und Berglandschaften. Ich fuehlte mich wie Old Shatterhand, auf dem Leder-Holz-Sattel mit befestigtem Lasso und Machete.
Oben auf dem Berggipfel angekommen, genossen wir eine Weile die wunderschoene Aussicht und ich hoerte mir Jagdgeschichten von Carlos an. Er ist naemlich Jaeger. Fuer das naechste Wochenende lud er mich auf ein Asado (Grillen) ein, er habe naemlich noch Hirschkeule und Pumafilet. Zuerst dachte ich er mache Scherze, aber dann zeigte er mir seine Jagdlizenz auf der tatsaechlich stand, dass er zum Puma jagen zugelassen ist. Es gaebe wohl sehr viele dieser Tiere in der Gegend.
Leider hat es mit dem Grillen dann nicht geklappt, da er einen kurzfristigen Operationstermin hatte. Vielleicht klappt es ja noch naechste Woche.
Von Freitag bis Montag fuhr ich mit ein paar Freunden an die Straende Michoacans, ein im Sueden angrenzender Staat. Schon die Hinfahrt war ein Traum: mit dem Auto fuhren wir erst stundenlang durch Bananen-, Kokos- und Papayaplantagen und anschliessend eine bergige Strasse direkt am Pazifik entlang mit teilweise unglaublicher Aussicht auf kleine, menschenleere Straende und kristallklares, tuerkisenes Wasser! Ich kam mir vor wie in einem Traum!
So verbrachten wir 3 unbeschreibliche Tage an mehreren Traum-Straenden. An einem entdeckten wir eine Hoehle im Felsen, in die man reinschwimmen konnte und anschliessend auf einer Sandbank landete. Von dort bestaunten wir abends die feuerrote, im Pazifik untergehende Sonne. Wieder ein irgendwie irrealer Moment, der eher einem Traum als der Wirklichkeit glich.
Auf dem Weg zum naechsten Strand vergass ich meine Kamera auf dem Autodach und als ich es bemerkte konnten wir sie nicht mehr finden. Daher habe ich leider kein einziges Bild von dem Wochenende.
Und die Bilder von der Ranch hatte ich nur auf meinem Laptop gespeichert, der mir am folgenden Tag geklaut wurde. Naja, zumindest ist das Semester jetzt ja vorbei, sodass ich ihn nicht mehr brauche.
Nun bleiben mir noch ca 10 Tage hier in Guadalajara, bevor ich mich auf die Reise mache. Ich will garnicht an den Abschied denken, da er mir glaube ich verdammt schwer fallen wird. Ich habe hier auf jeden Fall einige richtig gute Freunde gefunden!
Carlos, ein nicht mehr arbeitender Arzt, kommt einmal die Woche in das Sozialprojekt in dem ich arbeite, um die Menschen dort kostenlos zu behandeln. Da ich mich super mit ihm verstehe, lud er mich eines Samstags dazu ein mit ihm in die Berge zu fahren, wo er ein Grundstueck zum jagen hat. Dieses Grundstueck befand sich auf dem Gipfel eines Berges, ca eine Stunde von der naechsten befahrbaren Strasse entfernt. Um dort hinzugelangen mussten wir sogar teilweise die am Jeep befestigte Seilwinde benutzen um extreme Steigungen ueberwinden zu koennen.
Auf dem Weg nach oben kamen wir an der Ranch eines guten Freundes Carlos' vorbei, wo wir zum Essen eingeladen wurden: Bohnenmus, grobe Fleischbrocken und dazu Tortillas. Gegessen wurde typischerweise mit der Hand.
Anschliessend wurde ich gefragt, ob ich nicht eine Runde auf dem schon gesattelten Maulesel reiten will um die Ranch kennenzulernen. Natuerlich stimmte ich zu, wobei ich eigentlich davon ausging, dass mich jemand einweisst und mit mir mitkommt. Aber alle blieben schwatzend am Tisch hocken und gingen wohl davon aus, dass es selbstverstaendlich sei, reiten zu koennen. Drum wollte ich mich nicht als Weisshaut-Taugenichts darstellen und bestieg einfach das Tier. Ich war mega ueberrascht, wie gut der Maulesel gehorchte und fand schnell gefallen daran durch die Rinderherden und Maisfelder zu gallopieren mit atemberaubender Aussicht ueber Steppen- und Berglandschaften. Ich fuehlte mich wie Old Shatterhand, auf dem Leder-Holz-Sattel mit befestigtem Lasso und Machete.
Oben auf dem Berggipfel angekommen, genossen wir eine Weile die wunderschoene Aussicht und ich hoerte mir Jagdgeschichten von Carlos an. Er ist naemlich Jaeger. Fuer das naechste Wochenende lud er mich auf ein Asado (Grillen) ein, er habe naemlich noch Hirschkeule und Pumafilet. Zuerst dachte ich er mache Scherze, aber dann zeigte er mir seine Jagdlizenz auf der tatsaechlich stand, dass er zum Puma jagen zugelassen ist. Es gaebe wohl sehr viele dieser Tiere in der Gegend.
Leider hat es mit dem Grillen dann nicht geklappt, da er einen kurzfristigen Operationstermin hatte. Vielleicht klappt es ja noch naechste Woche.
Von Freitag bis Montag fuhr ich mit ein paar Freunden an die Straende Michoacans, ein im Sueden angrenzender Staat. Schon die Hinfahrt war ein Traum: mit dem Auto fuhren wir erst stundenlang durch Bananen-, Kokos- und Papayaplantagen und anschliessend eine bergige Strasse direkt am Pazifik entlang mit teilweise unglaublicher Aussicht auf kleine, menschenleere Straende und kristallklares, tuerkisenes Wasser! Ich kam mir vor wie in einem Traum!
So verbrachten wir 3 unbeschreibliche Tage an mehreren Traum-Straenden. An einem entdeckten wir eine Hoehle im Felsen, in die man reinschwimmen konnte und anschliessend auf einer Sandbank landete. Von dort bestaunten wir abends die feuerrote, im Pazifik untergehende Sonne. Wieder ein irgendwie irrealer Moment, der eher einem Traum als der Wirklichkeit glich.
Auf dem Weg zum naechsten Strand vergass ich meine Kamera auf dem Autodach und als ich es bemerkte konnten wir sie nicht mehr finden. Daher habe ich leider kein einziges Bild von dem Wochenende.
Und die Bilder von der Ranch hatte ich nur auf meinem Laptop gespeichert, der mir am folgenden Tag geklaut wurde. Naja, zumindest ist das Semester jetzt ja vorbei, sodass ich ihn nicht mehr brauche.
Nun bleiben mir noch ca 10 Tage hier in Guadalajara, bevor ich mich auf die Reise mache. Ich will garnicht an den Abschied denken, da er mir glaube ich verdammt schwer fallen wird. Ich habe hier auf jeden Fall einige richtig gute Freunde gefunden!
Samstag, 3. November 2012
Zeremonie mit einem Schamane
Gerade bin ich von einer der wohl verrücktesten Nächte meines Lebens zurückgekommen. Ich hatte die Chance über einen Freund meines mexikanischen Mitbewohners, mit auf eine spirituelle Zeremonie in den Bergen zu gehen, die von einem Schamanen abgehalten wurde.
Gestern Abend kamen wir nach knapp 3 Stunden Fahrt an dem "heiligen Platz" mitten in den Bergen an, wo der Schamane und ca 20 andere Leute schon alles hergerichtet hatten. Nach kurzer Begrüßung setzten wir uns alle in einen Kreis, der von vielen kleinen Steinen begrenzt wurde und in dessen Mitte ein kleiner Altar mit verschiedenen Reliquien hergerichtet war. (Ein Tierfell, ein Hirschgeweih und verschiedene Kräuter) In der Mitte wurde ein Feuer angezündet, auf das Tabak und andere Kräuter gestreut wurden. Anschließend wurden getrocknete Maisblätter und eine Tabak-Kräuter-Mischung verteilt, die in das Maisblatt eingewickelt und anschließend gepafft wurde, während der Schamane in einen Sprechgesang einstimmte, begleitet von einem Trommel- und Rasselnrhythmus.
In seinem Sprechgesang sprach er die Geister der vier Himmelsrichtungen und die Erde an und bedankte sich, dass sie uns unser Leben und zu Essen schenkten. Leider konnte ich nicht alles verstehen, da er zwischendurch vom Spanischen auf eine indigenen Sprache umschwank.
Jedenfalls zog sich dieses Ritual über eine Stunde hin, durchgehend begleitet von den gleichbleibenden Trommelschlägen, nur ab und zu unterbrochen von einem lauten "ajho" von einem der Menschen in der Runde. Das ist ein indigenes Wort und bedeutet so viel wie: "so ist es!"
Ich war ehrlich gesagt ganz froh als es vorüber war, da mir schon etwas schlecht von dem Tabak geworden ist.
Im Anschluss zogen wir uns bis auf die Hose aus und betraten ein Temazcal, wo wir uns wieder im Kreis auf den Boden setzten. Das Temazcal ist eine Art steinernes Iglu, das von den Azteken erfunden wurde.(http://de.wikipedia.org/wiki/Temazcal) In die Mitte wurden glühende Steine gelegt, die aus dem "heiligen Feuer" geholt wurden und anschließend wieder die Tabak-Kräuter-Mischung daraufgestreut. Im fünfminuten Takt wurde nun Wasser auf die heißen Steine gegossen, sodass sich der kleine Raum mit Rauch und Wasserdampf füllte. Anfangs war das noch ganz angenehm, aber schon nach kurzer Zeit wurde es so heiß, dass man nicht mehr durch die Nase atmen konnte, weil man sich sonst verbrannte. Und auch die Augen konnte man kaum öffnen, da der Rauch sonst zu sehr zwickte. Dies war aber weiter nicht schlimm, da es sowieso stockfinster war. Nur das leichte Glühen der Steine verbreitete ein schummriges Licht.
Auch hier wurde durchgehend getrommelt und gerasselt und alle stimmten in einen Sprechgesang ein. Circa alle 15min, wenn man dachte man hält es nicht mehr aus, wurde der Eingang für ein paar Minuten geöffnet, sodass ein bisschen frische Luft reinkam.
Nach etwa einer Stunde dachte ich dass es nun vorbei sei, dabei wurde jedoch nur ein Gefäß mit einer braunen Flüssigkeit hereingereicht, das die "Heilige Medizin" genannt wurde. Ich hatte ehrlich gesagt schon ein wenig bammel, dass ich das auch trinken muss, aber zum Glück bekamen davon nur die "Eingeweihten" zu kosten. Anschließend ging die Zeremonie ungefähr noch einmal so lange weiter: Aufstreuen der Kräuter, Wasseraufguss, schwitzen, schwitzen, schwitzen...
Ein paar Frauen mussten sich sogar übergeben. Das war aber wohl nichts Unerwartetes, da schon Auffanggefäße bereit standen, die anschließend draußen ins "Heilige Feuer" gekippt wurden.
Auf jeden Fall ist man mit der Zeit durch die monotonen Trommelrhythmen, den Sprechgesang, den Rauch und die Hitze in eine Art Trance gefallen, wo man nicht mehr genau wusste, ob man träumt oder wach ist. Ziemlich krasse Erfahrung.
Nach ca zwei Stunden war das ganze endlich zu Ende und einer nach dem anderen Kroch ins Freie um sich am Feuer zu trocknen.
Nun machten sich die "Eingeweihten" auf den Weg zum Berggipfel, um dort ein Tag und eine Nacht auf der gleichen Stelle zu sitzen und zu meditieren. Dabei dürfen sie kein Wort reden, nichts essen und nichts trinken! Und das nach einem zweistündigen Dampfbad-Exzess...
Um den Denkprozess zu fördern bekam jeder von ihnen ein Stück von einem bestimmten Kaktus zu essen, der Halluzinationen bewirkt. Dadurch kommt man in Einklang mit dem Universum, den Geistern der vier Himmelsrichtungen und der Erde. So die Worte des Schamane.
Keine Angst, ich habe nichts von dem Kaktus gegessen! ;-)
Inzwischen war es schon 6 Uhr morgens, sodass ich mich ans Feuer legte und sofort tief und fest einschlief. Am späten Vormittag machte ich mich dann wieder auf den Weg zurück nach Hause. Ich hätte gerne noch die Rückkehr der "Eingeweihten" abgewartet, aber morgen früh gehe ich mit einem Kurs der Uni in ein Armenviertel, wo wir mit den Menschen dort zusammen ein Projekt aufbauen wollen, um ihnen ein kleines Einkommen zu ermöglichen. Bin schon sehr gespannt wie das wird!
Gestern Abend kamen wir nach knapp 3 Stunden Fahrt an dem "heiligen Platz" mitten in den Bergen an, wo der Schamane und ca 20 andere Leute schon alles hergerichtet hatten. Nach kurzer Begrüßung setzten wir uns alle in einen Kreis, der von vielen kleinen Steinen begrenzt wurde und in dessen Mitte ein kleiner Altar mit verschiedenen Reliquien hergerichtet war. (Ein Tierfell, ein Hirschgeweih und verschiedene Kräuter) In der Mitte wurde ein Feuer angezündet, auf das Tabak und andere Kräuter gestreut wurden. Anschließend wurden getrocknete Maisblätter und eine Tabak-Kräuter-Mischung verteilt, die in das Maisblatt eingewickelt und anschließend gepafft wurde, während der Schamane in einen Sprechgesang einstimmte, begleitet von einem Trommel- und Rasselnrhythmus.
In seinem Sprechgesang sprach er die Geister der vier Himmelsrichtungen und die Erde an und bedankte sich, dass sie uns unser Leben und zu Essen schenkten. Leider konnte ich nicht alles verstehen, da er zwischendurch vom Spanischen auf eine indigenen Sprache umschwank.
Jedenfalls zog sich dieses Ritual über eine Stunde hin, durchgehend begleitet von den gleichbleibenden Trommelschlägen, nur ab und zu unterbrochen von einem lauten "ajho" von einem der Menschen in der Runde. Das ist ein indigenes Wort und bedeutet so viel wie: "so ist es!"
Ich war ehrlich gesagt ganz froh als es vorüber war, da mir schon etwas schlecht von dem Tabak geworden ist.
Im Anschluss zogen wir uns bis auf die Hose aus und betraten ein Temazcal, wo wir uns wieder im Kreis auf den Boden setzten. Das Temazcal ist eine Art steinernes Iglu, das von den Azteken erfunden wurde.(http://de.wikipedia.org/wiki/Temazcal) In die Mitte wurden glühende Steine gelegt, die aus dem "heiligen Feuer" geholt wurden und anschließend wieder die Tabak-Kräuter-Mischung daraufgestreut. Im fünfminuten Takt wurde nun Wasser auf die heißen Steine gegossen, sodass sich der kleine Raum mit Rauch und Wasserdampf füllte. Anfangs war das noch ganz angenehm, aber schon nach kurzer Zeit wurde es so heiß, dass man nicht mehr durch die Nase atmen konnte, weil man sich sonst verbrannte. Und auch die Augen konnte man kaum öffnen, da der Rauch sonst zu sehr zwickte. Dies war aber weiter nicht schlimm, da es sowieso stockfinster war. Nur das leichte Glühen der Steine verbreitete ein schummriges Licht.
Auch hier wurde durchgehend getrommelt und gerasselt und alle stimmten in einen Sprechgesang ein. Circa alle 15min, wenn man dachte man hält es nicht mehr aus, wurde der Eingang für ein paar Minuten geöffnet, sodass ein bisschen frische Luft reinkam.
Nach etwa einer Stunde dachte ich dass es nun vorbei sei, dabei wurde jedoch nur ein Gefäß mit einer braunen Flüssigkeit hereingereicht, das die "Heilige Medizin" genannt wurde. Ich hatte ehrlich gesagt schon ein wenig bammel, dass ich das auch trinken muss, aber zum Glück bekamen davon nur die "Eingeweihten" zu kosten. Anschließend ging die Zeremonie ungefähr noch einmal so lange weiter: Aufstreuen der Kräuter, Wasseraufguss, schwitzen, schwitzen, schwitzen...
Ein paar Frauen mussten sich sogar übergeben. Das war aber wohl nichts Unerwartetes, da schon Auffanggefäße bereit standen, die anschließend draußen ins "Heilige Feuer" gekippt wurden.
Auf jeden Fall ist man mit der Zeit durch die monotonen Trommelrhythmen, den Sprechgesang, den Rauch und die Hitze in eine Art Trance gefallen, wo man nicht mehr genau wusste, ob man träumt oder wach ist. Ziemlich krasse Erfahrung.
Nach ca zwei Stunden war das ganze endlich zu Ende und einer nach dem anderen Kroch ins Freie um sich am Feuer zu trocknen.
Nun machten sich die "Eingeweihten" auf den Weg zum Berggipfel, um dort ein Tag und eine Nacht auf der gleichen Stelle zu sitzen und zu meditieren. Dabei dürfen sie kein Wort reden, nichts essen und nichts trinken! Und das nach einem zweistündigen Dampfbad-Exzess...
Um den Denkprozess zu fördern bekam jeder von ihnen ein Stück von einem bestimmten Kaktus zu essen, der Halluzinationen bewirkt. Dadurch kommt man in Einklang mit dem Universum, den Geistern der vier Himmelsrichtungen und der Erde. So die Worte des Schamane.
Keine Angst, ich habe nichts von dem Kaktus gegessen! ;-)
Inzwischen war es schon 6 Uhr morgens, sodass ich mich ans Feuer legte und sofort tief und fest einschlief. Am späten Vormittag machte ich mich dann wieder auf den Weg zurück nach Hause. Ich hätte gerne noch die Rückkehr der "Eingeweihten" abgewartet, aber morgen früh gehe ich mit einem Kurs der Uni in ein Armenviertel, wo wir mit den Menschen dort zusammen ein Projekt aufbauen wollen, um ihnen ein kleines Einkommen zu ermöglichen. Bin schon sehr gespannt wie das wird!
Mittwoch, 31. Oktober 2012
Verlängertes Wochenende am Pazifik
| Schildkröte beim Eierlegen |
| Das Schildkrötencamp |
Nichtsdestotrotz konnten wir die Eier aus 4 Nestern bergen, was jeweils 80-120 Stück waren. Eine Schildkröte konnten wir sogar beim kompletten Legeprozess beobachten. Sie sind dabei wie in Trance und lassen sich auch nicht von Scheinwerferlicht oder Berührungen ablenken. Und tatsächlich laufen ihnen die ganze Zeit Tränen aus den Augen.
| Unser Zeltplatz |
Auf dem Rückweg sahen wir im Scheinwerferlicht des Quads sogar zwei Krokodile aus dem Wasser eines ins Meer mündenten Flusses luken!
Am nächsten Tag halfen wir ca 700 schlüpfenden Schildkröten aus ihren Nestern und ließen sie anschließend ins Meer frei. Das sieht echt lustig aus, wenn alle Schildis gleichzeit schnurstracks ins Meer laufen.
Am nächsten Tag riefen mich einige Freunde an und sagten mir, dass sie das Wochenende an einem Strand ca 4 Stunden nördlich verbringen wollten. Dort blieb ich dann auch bis Sonntag. Wir schlugen unsere Zelte in einem traumhaften Palmenwäldchen direkt am Strand auf, befestigten die Hängematte zwischen zwei Kokospalmen und genossen so die beiden Tage aufs Äußerste. Nachts machten wir ein Lagerfeuer am Strand, spielten Gitarre, sangen und bewunderten den Vollmond.
| Blick morgens aus dem Zelt |
Donnerstag, 25. Oktober 2012
Ein etwas anderes Wochenende
Letztes Wochenende fuhr ich mit einer Gruppe von ca 30 Kommilitonen aus meiner Universitaet zum Festival Cervantino in Guanajuato. Das Festival findet jedes Jahr fuer drei Wochen im Oktober statt und wird auf den Strassen der ganzen Stadt gefeiert. Gewohnt haben wir auf der Ferien-Ranch eines Kommilitons, etwa eine halbe Stunde von der Stadt entfernt. Diese steht leer und wird von der Familie nur fuer Geburtstage und andere Feiern genutzt. Ziemlich abartig, da es ein riesiges Gelaende ist, mit grossem Haus, Pool (mit Bar im Wasser), grosser Tanzflaeche und 8 Ferienhuetten fuer Gaeste. Abends wurden wir von der privaten Security der Familie in die Stadt chauffiert und dort nachts auch wieder abgeholt. Geputzt haben am naechsten morgen natuerlich die Bediensteten...
Da ich bisher noch kein einzigen Tag in der Uni gefehlt habe, nehme ich mir den Donnerstag frei und beschloss kurzfristig von Mittwoch bis Sonntag an den Strand zu fahren. Nun sitzte ich in einem Internetcafe in einem kleinen Dorf und warte auf den Bus der mich an einen wunderschoenen kleinen Strand bringen soll. Bin mal gespannt, ob er kommt. Laut den Dorfbewohnern kommt er zwischen 14 Uhr und 17:30 Uhr. Das weiss keiner so genau. Zeit spielt hier keine so grosse Rolle.
Da ich bisher noch kein einzigen Tag in der Uni gefehlt habe, nehme ich mir den Donnerstag frei und beschloss kurzfristig von Mittwoch bis Sonntag an den Strand zu fahren. Nun sitzte ich in einem Internetcafe in einem kleinen Dorf und warte auf den Bus der mich an einen wunderschoenen kleinen Strand bringen soll. Bin mal gespannt, ob er kommt. Laut den Dorfbewohnern kommt er zwischen 14 Uhr und 17:30 Uhr. Das weiss keiner so genau. Zeit spielt hier keine so grosse Rolle.
Montag, 15. Oktober 2012
Vulkanbesteigung
| Aktiver Vulkan |
Vorletztes Wochenende, bzw Donnerstag abends nach der Uni,
fuhr ich mit einem Kumpel nach Manzanillo, eine Stadt direkt am Pazifik.
Eigentlich wollten wir uns dort einen schönen Strand zum Zelten suchen, wurden
bei der mitternächtlichen Ankunft jedoch unangenehm überrascht. An der Küste
erstreckt sich mit über 25km Länge der größte Hafen Mexikos und die wenigen
Strände sind nicht besonders schön. Drum blieben wir nur über Nacht in
Manzanillo und fuhren am nächsten Morgen ca eine Stunde ins Landesinnere nach
Colima, eine kleine, schöne Stadt am Fuße zweier Vulkane.
| Avocadoplantage mit Vulkan im Hintergrund |
Kurzum war es ein sehr spontanes, abenteuerliches und
superschönes Wochenende!
Das folgende Wochenende fuhr ich mit meinem mexikanischen
Mitbewohner und 10 seiner Freunde nach Tapalpa, ein kleines Dorf, mitten im
Wald auf den Bergen. Dort ließen wir die Autos stehen, kletterten alle auf den
Jeep eines Freundes und holperten ca. eine Stunde weiter bergauf bis wir oben
auf dem Berg ankamen, wo wir unsere Zelte aufschlugen. Die Aussicht war wieder
einmal unbeschreiblich!!
| Abendessen |
Anschließend
waren wir jedenfalls um einiges vorsichtiger und schauten uns alles was auf dem
Boden lag dreimal an, bevor wir es anfassten.
So ging ein weiteres schönes, abenteuerliches Wochenende vorbei.
Mittwoch, 3. Oktober 2012
Strand-Trip
So, inzwischen ist schon Halbzeit meines Semesters. Es ist echt unglaublich, wie die Zeit hier vergeht...
Letztes Wochenende machte ich einen Strand-Ausflug mit drei meiner Mitbewohner, bei dem wir vier Pazifikstraende besuchten. Freitag, am spaeten Abend kamen wir am super schoenen Strand von San Pancho an, wo wir auch direkt unser Zelt neben einem kleinen Fluss, der ins Meer muendete, aufschlugen. Gerade als wir fertig waren, bemerkten wir ein Schild in der Naehe mit der Aufschrift: "Achtung Krokodile!" Aber wie uns ein Einheimischer versicherte, seien diese nur gefaehrlich, wenn man in dem Fluss schimmt und ihnen zu nahe kommt. Jedoch ist wohl zwei Tage davor ein 3m-Krokodil ueber den Strand marschiert.
An diesem Strand versuchte ich auch das erste Mal eine Kokospalme hochzuklettern um an Kokosnuesse zu kommen. Bei den Einheimischen sah das so einfach aus. Ich kam jedoch nicht mal bis zur Haelfte und habe jetzt immer noch Schuerfwunden am ganzen Koerper. Dafuer haben sie mir ein paar geschenkt und inzwischen bekomme ich es auch ganz gut hin sie an einem Stein zu oeffnen um an das leckere Kokokwasser zu kommen.
Am naechsten Tag trampten wir zum naechsten Strand, wo wir auch wieder direkt am Wasser zelteten. Diesmal gab es zwar keine Krokodile, aber als wir abends am Strand gediegen ein Bierchen tranken, bemerkten wir das Schild: "Achtung giftige Meeresschlange, campen verboten!" Da es aber schon dunkel war, hatten wir keine andere Wahl als zu bleiben und verschlossen dafuer sorgfaeltig das Zelt, bevor wir schlafen gingen.
Heute habe ich angefangen in einem Projekt in einem der aermsten Viertel Guadalajaras zu arbeiten. Ich werde nun jeden Dienstag den ganzen Tag hier verbringen und Computer- und Englischunterricht fuer die Kinder hier anbieten. Als der Projektbetreuer hoerte dass ich Wirtschaftsingenieur studiere war er hell begeistert und gab mir gleich die Aufgabe einen Produktionsplan fuer die "Baeckerei" hier im Projekt zu erstellen. Die Baeckerei wird derzeit von drei Frauen betrieben, die Kekse backen und diese anschliessend auf der Strasse verkaufen.
Unser Ziel ist es eine Kooperative aufzubauen und moeglichst viele Frauen hier zu mobilisieren, um ihnen ein (wenn auch geringes) Einkommen zu ermoeglichen. Das Problem ist, dass die meisten Maenner hier ihren Frauen nicht erlauben zu arbeiten.
Meine Aufgabe ist es nun den optimalen Kekspreis zu kalkulieren und herauszufinden, wie der Ofen optimal ausgelastet wird und ob es sich rentiert einen neuen Ofen mit Mikrokrediten zu finanzieren.
Endlich kann ich mein erlerntes BWL-Wissen von der Uni fuer etwas Produktives anwenden!
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